Basel-Stadt testet Integration von Leihvelos in den ÖV: Der Kanton investiert eine Million Franken in das Pilotprojekt «U-Two», um herauszufinden, wie Fahrgäste Tram, Bus und Zug künftig einfacher mit Sharing-Velos und E-Trottinetts kombinieren können. Das Vorhaben soll den öffentlichen Verkehr attraktiver machen, die sogenannte «letzte Meile» zwischen Haltestelle und Zielort verbessern und neue Tarifmodelle für die Mobilität der Zukunft erproben, berichtet BaselPost.

Bereits heute nutzen viele Pendler mehrere Verkehrsmittel auf einer Strecke. Doch unterschiedliche Apps, separate Abonnements und verschiedene Bezahlsysteme erschweren die Nutzung kombinierter Angebote. Mit dem bis Anfang 2028 laufenden Projekt will Basel-Stadt erstmals systematisch testen, ob eine stärkere Verknüpfung von ÖV und Sharing-Fahrzeugen die Nutzung nachhaltiger Mobilität in der gesamten Agglomeration fördern kann.

Warum Basel auf eine Verknüpfung von ÖV und Sharing-Angeboten setzt

Der öffentliche Verkehr gilt in Basel bereits als Rückgrat der Mobilität. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Sharing-Angeboten wie Mietvelos und E-Scootern. Viele Nutzer legen nur einen Teil ihrer Strecke mit Tram oder Bus zurück und benötigen für die letzten Kilometer eine flexible Anschlusslösung. Genau an diesem Punkt setzt das Projekt «U-Two» an.

Das Bau- und Verkehrsdepartement will untersuchen, wie sich unterschiedliche Verkehrsmittel in einem gemeinsamen Mobilitätssystem zusammenführen lassen. Ziel ist eine möglichst einfache Tür-zu-Tür-Reise ohne Medienbrüche, zusätzliche Tickets oder komplizierte Registrierungen. Die Erkenntnisse könnten später als Grundlage für dauerhafte regionale Mobilitätsangebote dienen.

Zu den wichtigsten Zielen gehören:

  • Einfachere Nutzung von Sharing-Velos und E-Trottinetts
  • Reduktion von Individualverkehr und Autofahrten
  • Stärkung des öffentlichen Verkehrs
  • Verbesserung der Mobilität in Randgebieten
  • Test neuer digitaler Tarifmodelle
  • Förderung klimafreundlicher Verkehrsmittel
  • Bessere Erreichbarkeit von Bahnhöfen und Haltestellen

So läuft das Pilotprojekt U-Two bis Anfang 2028

Die Regierung hat für das Projekt insgesamt eine Million Franken aus dem Mobilitätsfonds freigegeben. Der Feldversuch erfolgt in mehreren Phasen und umfasst insgesamt 2450 Testpersonen.

Im ersten Schritt erhalten 1350 Besitzer eines U-Abos oder Generalabonnements Gutscheine für die Nutzung von Leihvelos. Anschliessend folgt eine zweite Testphase mit weiteren 1100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Diese Gruppe umfasst auch Personen ohne bestehendes ÖV-Abonnement.

Zusätzlich wird die Mobilitäts-App «BaselGo!» eingesetzt. Über die Anwendung können verschiedene Sharing-Angebote gebucht und getestet werden. Dadurch soll untersucht werden, wie stark eine zentrale digitale Plattform die Nutzung verschiedener Verkehrsmittel vereinfachen kann.

ProjektbestandteilUmfang
ProjektnameU-Two
Laufzeitbis Anfang 2028
Finanzierung1 Million Franken
Teilnehmer gesamt2450 Personen
Phase 11350 ÖV-Abonnenten
Phase 21100 weitere Personen
AppBaselGo!
FokusregionAgglomeration Basel

Die grösste Herausforderung: Zu viele Apps und Abonnements

Ein wesentliches Problem heutiger Mobilitätsangebote besteht darin, dass Nutzer oft mehrere Anwendungen benötigen. Wer beispielsweise mit dem Tram zum Bahnhof fährt, anschliessend einen Zug nutzt und danach ein Sharing-Velo benötigt, muss häufig verschiedene Plattformen verwenden.

Genau diese Hürde möchten die Verantwortlichen genauer analysieren. Die Nutzerfreundlichkeit spielt dabei eine zentrale Rolle. Internationale Studien zeigen seit Jahren, dass die Bereitschaft zur Nutzung nachhaltiger Verkehrsmittel deutlich steigt, wenn Buchung, Zugang und Bezahlung über eine einzige Plattform erfolgen können.

Für Basel bedeutet dies die Chance, eine Vorreiterrolle bei sogenannten «Mobility-as-a-Service»-Lösungen einzunehmen. Dabei wird Mobilität nicht mehr nach einzelnen Verkehrsmitteln organisiert, sondern als integrierte Dienstleistung betrachtet.

Welche Vorteile Fahrgäste künftig erhalten könnten

Sollte das Pilotprojekt erfolgreich verlaufen, könnten Fahrgäste in Zukunft von einer deutlich einfacheren Mobilitätskette profitieren. Denkbar wären gemeinsame Tarife, integrierte Buchungssysteme und automatische Verknüpfungen verschiedener Verkehrsmittel.

Besonders für Pendler aus dem Umland könnte dies attraktiv werden. Viele Wohngebiete liegen ausserhalb direkter Tram- oder Bahnverbindungen. Sharing-Velos könnten hier die Verbindung zwischen Wohnort und nächster Haltestelle deutlich erleichtern.

Mögliche Vorteile im Überblick:

  • Schnellere Wege zwischen Haltestelle und Zielort
  • Weniger Abhängigkeit vom Auto
  • Einfachere Nutzung durch eine App
  • Einheitliche Bezahlmöglichkeiten
  • Mehr Flexibilität bei spontanen Fahrten
  • Höhere Attraktivität des öffentlichen Verkehrs
  • Verbesserte Mobilität in Randregionen

Stimmen aus dem Projektumfeld

Die Basler Regierung betont in ihrer Mitteilung insbesondere den praktischen Nutzen für die Bevölkerung.

„Das Projekt soll untersuchen, wie Fahrgäste ihre Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Sharing-Angeboten einfacher kombinieren können.“ (Basler Regierung, Medienmitteilung vom 2. Juni 2026)

Diese Aussage verdeutlicht, dass nicht allein die technische Integration im Mittelpunkt steht. Vielmehr geht es um das tatsächliche Verhalten der Nutzer und die Frage, welche Modelle im Alltag akzeptiert und regelmässig genutzt werden.

Mobilitätsexperten sehen darin einen wichtigen Schritt für die Entwicklung moderner Verkehrssysteme. Besonders in dicht besiedelten Regionen gewinnen multimodale Verkehrskonzepte zunehmend an Bedeutung.

Basel als Testlabor für die Mobilität der Zukunft

Die Agglomeration Basel eignet sich besonders gut für einen solchen Feldversuch. Die Region verfügt über ein dichtes Tramnetz, starke Bahnverbindungen sowie bereits etablierte Sharing-Angebote. Gleichzeitig bestehen enge Verflechtungen mit angrenzenden Gebieten in Deutschland und Frankreich.

Durch die Untersuchung realer Nutzungsdaten können die Verantwortlichen besser verstehen, welche Kombinationen von Verkehrsmitteln tatsächlich nachgefragt werden. Die Ergebnisse könnten langfristig auch für andere Schweizer Städte relevant werden.

Sollte sich das Modell bewähren, könnten ähnliche Konzepte später in Zürich, Bern, Lausanne oder Genf umgesetzt werden. Damit würde Basel eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung nachhaltiger Mobilitätssysteme in der Schweiz einnehmen.

Fragen und Antworten zum Projekt U-Two

Basel-Stadt startet das Projekt U-Two mit 1 Million Franken. Getestet wird die Integration von Leihvelos, E-Trottinetts und ÖV über neue Tarifmodelle und die App BaselGo bis 2028.

Was ist das Projekt U-Two?

U-Two ist ein Pilotprojekt des Kantons Basel-Stadt zur besseren Integration von Sharing-Velos und E-Trottinetts in den öffentlichen Verkehr.

Wie hoch ist die Finanzierung?

Der Regierungsrat hat eine Million Franken aus dem Mobilitätsfonds bewilligt.

Wie viele Personen nehmen teil?

Insgesamt sollen 2450 Personen an den Feldversuchen teilnehmen.

Wer kann mitmachen?

Sowohl Inhaber von U-Abos und Generalabonnements als auch Personen ohne ÖV-Abonnement werden in die Tests einbezogen.

Welche Rolle spielt die App BaselGo!?

Die App dient als digitale Plattform für die Nutzung und Erprobung verschiedener Sharing-Angebote.

Wann endet das Projekt?

Die Testphase läuft bis Anfang 2028.

Was passiert nach Abschluss des Projekts?

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen als Grundlage für eine dauerhafte Integration von Sharing-Angeboten in den öffentlichen Verkehr der Region Basel dienen.

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