Kajak-Weltmeisterin Alena Marx fischt in Basel Schmuck, Scherben und Müll aus dem Rhein
Alena Marx kennt Wasser nicht als Kulisse, sondern als Arbeitsplatz. Die 25-jährige Bernerin ist Kajak-Cross-Weltmeisterin, zweifache Olympiateilnehmerin und Sportstudentin in Basel. Normalerweise geht es für sie auf Flüssen um Sekunden, Linienwahl, Kraft und Mut. In Basel ging es nun um etwas anderes: um Scherben, Schmuckstücke, ein grosses Messer und die Frage, was im Rhein liegen bleibt, wenn der Sommer vorbei ist oder Menschen nach dem Baden achtlos Dinge zurücklassen. Gemeinsam mit dem Basler Verein Rheingeworfen stieg Marx mit Taucherbrille, Handschuhen und Netz ins Wasser, um Abfall vom Flussgrund zu holen, berichtet BASELPOST.CH unter Berufung auf die vorliegenden Angaben.
Die Aktion zeigt ein Problem, das in Basel besonders sichtbar ist: Der Rhein ist Lebensraum, Badeort, Verkehrsader und Identität der Stadt zugleich. Genau deshalb fällt auf, was nicht hineingehört. Zwölf Freiwillige waren rund vier Stunden im Einsatz. Sie arbeiteten sich flussabwärts, tauchten ab, sammelten Abfall ein und brachten die Fundstücke ans Ufer. Für Marx war es keine symbolische PR-Aktion, sondern eine direkte Erfahrung. Sie ist seit Jahren auf internationalen Wildwasserstrecken unterwegs und sieht dort immer wieder, wie eng Sport, Gesundheit und Wasserqualität zusammenhängen. In Basel wurde ihr erneut bewusst, dass Verschmutzung nicht abstrakt ist. Sie liegt dort, wo Menschen schwimmen, trainieren, spazieren und den Fluss geniessen.
Wer ist Alena Marx
Alena Marx ist eine der bekanntesten Schweizer Kanutinnen der Gegenwart. Sie kommt aus Bern, ist 25 Jahre alt und betreibt seit rund 15 Jahren Kanu-Slalom. Auf ihrer eigenen Website beschreibt sie sich als Schweizer Kanutin, die in den Disziplinen Canadier Einer, Kajak Einer und Kajak Cross startet. 2024 wurde sie Doppelteuropameisterin und nahm in Paris an ihren zweiten Olympischen Spielen teil.
Ihr Verhältnis zum Wasser begann früh. Marx wuchs im Berner Altenbergquartier direkt an der Aare auf. Der Fluss war für sie nicht nur Landschaft, sondern Alltag. Heute lebt sie seit mehreren Jahren in Basel und studiert Sportwissenschaften. Diese Verbindung macht ihre Teilnahme an der Rheinreinigung glaubwürdig: Sie spricht nicht von Umweltschutz aus Distanz, sondern aus der Perspektive einer Athletin, die Flüsse weltweit nutzt und ihre Veränderungen unmittelbar wahrnimmt.
Im Spitzensport ist Wasserqualität längst ein praktisches Thema. Verschmutzte Strecken können Trainings beeinträchtigen, Wettkämpfe gefährden und gesundheitliche Folgen haben. 2025 wurde etwa im Raum Basel/Huningue über Belastungen durch Treibstoff im Rhein berichtet; auch Kajak-Athletinnen und -Athleten waren betroffen. Für Marx ist der Rhein deshalb nicht nur ein schöner Stadtfluss, sondern Teil einer grösseren Debatte über Sicherheit, Sauberkeit und Verantwortung.
Was sammelte Alena Marx im Rhein
Die Funde waren erstaunlich und teilweise gefährlich. Marx und die Freiwilligen fanden Schmuckstücke wie Ringe und Ohrringe. Solche Gegenstände wirken zunächst harmlos, erzählen aber viel über die Nutzung des Rheinufers: Menschen baden, feiern, sitzen am Wasser, verlieren Dinge oder werfen sie weg. Für Marx fühlte sich die Suche zeitweise fast wie eine Schatzsuche an.
Doch der romantische Eindruck hielt nicht lange. Besonders problematisch waren viele Glasscherben. Sie liegen dort, wo Menschen barfuss ins Wasser steigen oder schwimmen. Für Badende sind sie ein direktes Verletzungsrisiko. Auch ein grosses Messer wurde gefunden. Solche Gegenstände machen deutlich, dass Abfall im Fluss nicht nur ein ästhetisches Problem ist. Er kann Menschen verletzen, Tiere gefährden und die Qualität des öffentlichen Raums verschlechtern.
Gesammelt wurde mit einfachen Mitteln: Taucherbrille, Handschuhe, Netz, Geduld. Genau das ist die Stärke solcher Aktionen. Sie zeigen, dass Gewässerschutz nicht nur aus politischen Programmen besteht, sondern auch aus lokaler Arbeit. Wer im Rhein sammelt, sieht sofort, was sonst unsichtbar bleibt.
Warum ist der Rhein in Basel so empfindlich
Basel lebt mit dem Rhein. Im Sommer wird der Fluss zum Treffpunkt der Stadt. Menschen schwimmen mit Wickelfisch, sitzen am Ufer, überqueren die Brücken, nutzen Fähren oder verbringen den Abend am Wasser. Diese Nähe ist ein Privileg, aber auch eine Belastung. Je stärker der Fluss genutzt wird, desto mehr Abfall kann entstehen.
Glasflaschen, Verpackungen, Zigarettenreste, Metallteile, Plastik und verlorene Gegenstände verschwinden im Wasser schnell aus dem Blick. Das bedeutet aber nicht, dass sie weg sind. Sie sinken ab, bleiben zwischen Steinen hängen oder werden weitergetragen. Manche Dinge werden erst bei Niedrigwasser sichtbar, andere nur durch Taucher oder Reinigungsgruppen.
Der Verein Rheingeworfen arbeitet genau an diesem Punkt. Laut öffentlicher Darstellung sammelt der ehrenamtliche Verein Müll aus dem Rhein in Basel und ruft Menschen dazu auf, mitzuhelfen. Die Aktion mit Alena Marx brachte dem Thema zusätzliche Aufmerksamkeit, weil eine Spitzensportlerin sichtbar machte, was sonst oft im Kleinen geschieht.
Was sagt die Aktion über Basel
Die Rheinreinigung ist auch ein Spiegel der Stadt. Basel ist stolz auf seinen Fluss. Der Rhein prägt Freizeit, Tourismus und Lebensgefühl. Doch die Funde zeigen, dass diese Nähe Pflege braucht. Ein sauberer Rhein entsteht nicht automatisch. Er braucht Regeln, Rücksicht, Abfallentsorgung, Kontrollen und Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Besonders wichtig ist die Botschaft vor der Badesaison: Wer am Rhein trinkt, isst oder feiert, muss Abfall wieder mitnehmen. Glas am Ufer ist kein kleines Versehen. Im Wasser wird es zum Risiko für alle. Auch kleine Gegenstände summieren sich. Ein einzelner Ring ist kurios, viele Scherben sind gefährlich, ein Messer ist alarmierend.
Für Marx war die Aktion deshalb mehr als ein einmaliger Einsatz. Sie sagte, sie würde wieder teilnehmen – auch mit Freundinnen und Freunden. Genau darin liegt die Stärke der Geschichte: Eine Weltmeisterin zeigt, dass Umweltschutz nicht belehrend sein muss. Er kann konkret, körperlich und gemeinschaftlich sein.
Warum ist das Thema auch für den Spitzensport relevant
Kajak-Sport ist abhängig von Wasser. Ohne saubere Flüsse gibt es kein gesundes Training, keine sicheren Wettkämpfe und keine verlässlichen Bedingungen. Marx kennt internationale Strecken, darunter auch Orte, an denen Athletinnen und Athleten mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen hatten.
Das ist ein wichtiger Punkt: Verschmutzung wirkt nicht nur auf Fische, Pflanzen oder das Stadtbild. Sie betrifft Menschen direkt. Wer im Wasser trainiert, schluckt Spritzwasser, berührt Steine, steigt an Ufern ein und aus. Scherben, Öl, Diesel, Plastik oder Keime können im Sport schnell zum Problem werden.
Für eine Athletin wie Marx ist das besonders deutlich. Sie bewegt sich dort, wo andere nur hinschauen. Sie sieht den Fluss aus der Nähe, oft unter Belastung, bei hoher Geschwindigkeit und unter Wettkampfdruck. Ihre Stimme hat deshalb Gewicht, weil sie Erfahrung mitbringt – nicht nur Meinung.
Was bleibt nach der Aktion
Die Rheinreinigung mit Alena Marx liefert drei klare Botschaften.
Erstens: Der Rhein ist kein Abfalleimer. Was hineinfällt oder hineingeworfen wird, bleibt oft länger dort, als viele denken.
Zweitens: Abfall im Wasser ist gefährlich. Besonders Scherben, Metall und Messer betreffen nicht nur die Umwelt, sondern auch Badende und Sportler.
Drittens: Lokale Freiwilligenarbeit wirkt. Zwölf Menschen können in vier Stunden sichtbar machen, was sonst verborgen bleibt. Mit einer bekannten Athletin bekommt dieses Thema zusätzliche Reichweite.
Für Basel ist die Geschichte deshalb mehr als eine nette Sommermeldung. Sie verbindet Sport, Stadtleben und Umweltverantwortung. Alena Marx steht dabei für eine Generation von Athletinnen, die Leistung nicht von Lebensraum trennt. Sie fährt nicht nur auf Flüssen. Sie sieht auch, was mit ihnen geschieht.
Am Ende bleibt ein starkes Bild: Eine Weltmeisterin, die sonst gegen internationale Konkurrenz fährt, taucht in Basel nach Müll. Nicht für eine Medaille, sondern für einen Fluss, den täglich Tausende nutzen.
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