Die im Jahr 2025 umgesetzte Reorganisation der Basler Polizei zeigt nach einem Jahr konkrete Auswirkungen auf den Arbeitsalltag der Sicherheitspolizei: Die Grundversorgung wurde gestärkt, Extraaufgebote aus der Freizeit gingen deutlich zurück, mehr Patrouillen stehen auf der Strasse und die neuen Führungsstrukturen werden von den befragten Mitarbeitenden überwiegend positiv beurteilt. Zu diesem Ergebnis kommt ein externes Monitoring des Instituts für Arbeitsforschung und Organisationsberatung iafob, das im April und Mai 2026 Mitarbeitende und Führungskräfte befragte und seinen Bericht im Juli vorlegte. Das Justiz- und Sicherheitsdepartement Basel-Stadt veröffentlichte die Ergebnisse am 13. August 2026 um 11.30 Uhr. Die aktuelle Nachricht betrifft damit nicht eine neue Reform im Jahr 2026, sondern die erstmals systematisch ausgewertete Wirkung der 2025 eingeführten Struktur Sipo+, berichtet .

Die Datengrundlage geht deutlich über eine interne Einschätzung der Polizeileitung hinaus. iafob führte acht Einzelinterviews mit Führungskräften auf den Stufen Kommando, Hauptabteilungs- und Abteilungsleitung sowie 17 Gruppeninterviews mit insgesamt 82 Mitarbeitenden der operativen Ebene durch. Die Befragten wurden nach Alter, Geschlecht, Funktion, Dienstalter und Beschäftigungsgrad ausgewählt. Ergänzt wurden die Gespräche durch Dokumentenanalysen und Kennzahlen der Kantonspolizei. Der Monitoring-Bericht Sipo+ vom Juli 2026 bezeichnet die Untersuchung ausdrücklich als Zwischenbilanz rund ein Jahr nach der formellen Einführung der neuen Strukturen.
Wie entstand Sipo+ bei der Kantonspolizei Basel-Stadt?
Der Ausgangspunkt der heutigen Kantonspolizei Basel-Stadt liegt im Herbst 2024. Polizeikommandant Thomas Würgler beauftragte iafob im Oktober 2024 mit einem Organisationsscreening der polizeilichen Grundversorgung und insbesondere der Sicherheitspolizei sowie ausgewählter Spezialformationen. Das Institut beschrieb damals eine anspruchsvolle Situation bei Ressourcen, Organisation und Standortbedingungen, die sich auf die Erfüllung des Leistungsauftrags auswirkte. Besonders ausgeprägt waren die Probleme laut Bericht in der Hauptabteilung Sicherheitspolizei und in den damit verbundenen Prozessen der Grundversorgung.
Aus diesem Screening entstand das Projekt Sipo+. Das neue Organisations- und Führungsmodell sollte Strukturen stärker nach Aufgaben, Prozessen und verfügbaren Ressourcen ausrichten. Vorgesehen war unter anderem eine Zusammenführung verschiedener bisheriger Organisationseinheiten aus Grossbasel, Kleinbasel und dem Einsatzzug sowie eine Neuordnung von Polizeiwachen, Polizeiposten und Community Policing. Die konkreten Strukturen wurden unter der Leitung des Polizeikommandanten in Projektgruppen ausgearbeitet und am 1. April 2025 formell eingeführt.
Für Sipo+ definierte die Polizei vier unmittelbare Ziele:
- die Frontarbeit durch eine stärkere Grundversorgung stabilisieren;
- die Belastung der Mitarbeitenden reduzieren;
- die Mitarbeitendenzufriedenheit durch Entlastung erhöhen;
- die Qualität der Führung verbessern.
Die organisatorische Neuordnung fiel in eine Phase hoher interner Belastung. Das Justiz- und Sicherheitsdepartement schreibt in seiner Medienmitteilung vom 13. August 2026, dass sich Belastung und interne Unzufriedenheit im Jahr 2024 zugespitzt hätten. Die Massnahmen seien deshalb 2025 in hohem Tempo umgesetzt worden. Nach Darstellung des Departements verstand die überwiegende Mehrheit der betroffenen Mitarbeitenden die Notwendigkeit dieses Tempos.
Eine wichtige Veränderung betraf zugleich die Kaderebene. Operative Führungsfunktionen wurden neu besetzt, Zuständigkeiten klarer verteilt und Führungsaufgaben näher an die Ressorts verlagert. Das iafob-Monitoring hält fest, dass drei Abteilungsleitungen innerhalb der Sipo sowie zusätzliche stellvertretende Ressort- beziehungsweise Gruppenleitungen grundsätzlich positiv beurteilt werden. Mitarbeitende nannten insbesondere die bessere Personalbetreuung, mehr operative Handlungsspielräume und klarere Verantwortlichkeiten.
Was hat sich für die Sicherheitspolizei seit 2025 verändert
Im Mittelpunkt der externen Untersuchung steht die Sicherheitspolizei Basel. Auf der oberen Führungsebene fällt die Zwischenbilanz laut iafob durchgehend positiv aus: genannt werden eine deutlich gestärkte Grundversorgung, mehr Patrouillen auf der Strasse, klarere Abläufe, weniger Ordnungsdienste und eine spürbare Entlastung des Personals. Auch Aufgebote von Mitarbeitenden aus der Freizeit kommen nach den erhobenen Aussagen nur noch selten vor.
Auf der operativen Ebene zeigt sich ein ähnliches Bild, allerdings mit mehr Detail. Mitarbeitende berichten von zusätzlichen Personalkapazitäten in den Ressorts und davon, dass der Grundauftrag klarer priorisiert werde. Während eines normalen Arbeitstags bleibe mehr Zeit für administrative Arbeiten, und freie Tage könnten häufiger wie geplant bezogen werden. Gleichzeitig gingen Aufgabenanforderungen aus anderen Bereichen, etwa Haft & Transport, zurück.
Das Monitoring nennt folgende Veränderungen besonders häufig:
- mehr Ressourcen für die polizeiliche Grundversorgung;
- mehr Patrouillen und wieder mögliche Fusspatrouillen;
- weniger beziehungsweise kaum Ordnungsdienste für Sipo-Mitarbeitende;
- kaum oder keine zusätzlichen Aufgebote aus der Freizeit;
- mehr zeitlicher Spielraum für administrative Arbeiten;
- grössere operative Entscheidungsfreiheit;
- stadtweite Zuständigkeiten statt einer starken Trennung zwischen Gross- und Kleinbasel;
- einen konstruktiveren und kooperativeren Führungsstil auf operativer Ebene.
Eine der strukturell sichtbarsten Änderungen ist die Auflösung der früheren gebietsbezogenen Segmentierung zwischen Grossbasel und Kleinbasel. Die Befragten bewerteten diesen Schritt laut iafob als sinnvoll. Auch die organisatorische Entflechtung von Polizeiwachen beziehungsweise Kundenzonen und der Sicherheitspolizei erhielt positive Rückmeldungen. Die neuen Strukturen werden im Bericht als klarer sowie stärker an Aufgaben und Prozessen orientiert beschrieben.
Die Autoren des Berichts, Dr. Oliver Strohm und Steven Tran vom iafob, fassen die Wahrnehmung auf operativer Ebene unter anderem mit dem Satz zusammen, es gebe «mehr Ressourcen in der Grundversorgung». Die Formulierung stammt aus dem im Juli 2026 veröffentlichten Monitoring, das Thomas Würgler nach einer Anfrage in der zweiten Jahreshälfte 2025 beim Institut in Auftrag gegeben hatte; die Ergebnisse richten sich an die Polizeileitung und das Justiz- und Sicherheitsdepartement.
Auch bei der Zusammensetzung der Ressorts verzeichnet das Institut positive Rückmeldungen. Die Mischung nach Alter, Geschlecht und Erfahrung werde von Mitarbeitenden geschätzt, ebenso die Möglichkeit einer selbstbestimmteren Zuteilung zu Ressorts. iafob verbindet diese Faktoren mit hoher Kollegialität und einer stabileren Arbeitskultur. Einzelne ungünstige Personalkonstellationen hätten laut Bericht allerdings auch zu Weggängen geführt.
Welche Zahlen belegen die Entwicklung der Basler Polizei?
Die Ergebnisse aus Interviews werden durch Leistungs- und Personalkennzahlen aus dem Jahr 2025 ergänzt. Nach Angaben des Justiz- und Sicherheitsdepartements erhöhte sich die Zahl der geleisteten Polizeieinsätze um 5,6 Prozent. Bei Demonstrationen lag die Zunahme bei 20,8 Prozent, bei Einsätzen der Sondereinheit bei 40,4 Prozent und bei Schutzmassnahmen im Bereich häusliche Gewalt bei 10,5 Prozent. Die Werte stammen aus dem Geschäftsbericht 2025 der Kantonspolizei Basel-Stadt und werden auch in der aktuellen Medienmitteilung des Kantons aufgeführt.
| Kennzahl | 2024 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Personalbestand | 796,6 FTE | 801,4 FTE | +4,8 FTE |
| Ausbildungsstarts Polizist/-in | 27 | 35 | +8 |
| Ausbildungsstarts Sicherheitsassistenz | 6 | 18 | +12 |
| Rückkehrende ins Korps | 5 | 7 | +2 |
Der Personalbestand wuchs damit innerhalb eines Jahres von 796,6 auf 801,4 Vollzeitstellen. Stärker fällt die Veränderung bei der Ausbildung aus: 35 Personen begannen 2025 die Ausbildung zur Polizistin beziehungsweise zum Polizisten, nach 27 im Vorjahr. Bei der Sicherheitsassistenz verdreifachte sich die Zahl der Ausbildungsstarts von sechs auf 18. Sieben frühere Mitarbeitende kehrten ins Korps zurück, gegenüber fünf im Jahr 2024.
Das iafob fasst Polizistinnen und Polizisten in Ausbildung sowie angehende Sicherheitsassistentinnen und Sicherheitsassistenten zusätzlich zusammen. Danach stieg deren Gesamtzahl von 33 auf 53. Für 2026 seien bereits zwei Lehrgänge mit insgesamt 49 Polizeiaspirantinnen und Polizeiaspiranten aufgegleist worden. Gleichzeitig bezeichnet das Justiz- und Sicherheitsdepartement den aktuellen Personalbestand weiterhin als knapp.
Diese Einschränkung ist für die Einordnung der Zahlen zentral. Die Polizei erreichte die höheren Leistungswerte nicht vor dem Hintergrund eines starken Personalwachstums, sondern bei einem vergleichsweise kleinen Plus von 4,8 FTE gegenüber 2024. Das Departement führt die stärkere Personalrekrutierung im laufenden Jahr 2026 deshalb als Voraussetzung dafür an, Leistungen weiter auszubauen und kommende Aufgaben abzudecken.
Auch Finanzkennzahlen wurden veröffentlicht. Beim Personalaufwand lag die Abweichung zwischen Plan- und Ist-Kosten 2025 bei minus 6,4 Prozent. Beim Sach- und Betriebsaufwand betrug sie plus 17,5 Prozent, beim Betriebsergebnis vor Abschreibungen des Verwaltungsvermögens minus 2,5 Prozent. Diese Werte sind Teil der vom Kanton publizierten Kennzahlen für das Geschäftsjahr 2025.
Wie beurteilen die Mitarbeitenden Führung und Arbeitsklima
Neben Personalstärke und Einsatzplanung untersucht das Monitoring die Führungskultur nach der Polizeireorganisation in Basel-Stadt. Die neu gewählten Ressortleitenden werden von den befragten Mitarbeitenden mehrheitlich als fachlich kompetent beschrieben. Positiv genannt werden Unterstützung und Rückendeckung, sinnvoller Handlungsspielraum sowie Möglichkeiten für Eigeninitiative. Die übergeordneten Führungskräfte kommen laut iafob zu einer ähnlichen Einschätzung.
Bei der Arbeitskultur berichten die Gruppeninterviews von guter Kollegialität, Zusammenarbeit auch über Ressortgrenzen hinweg, gegenseitiger Unterstützung und einer grundsätzlich positiven Stimmung. iafob beschreibt zudem eine hohe Bereitschaft zum Erfahrungsaustausch und gemeinsamen Lernen. Nach Einschätzung des Instituts haben sich die Arbeitskulturen in den Sipo-Ressorts durch personelle Ergänzungen stabilisiert oder verändert.
Das Justiz- und Sicherheitsdepartement spricht in seiner Medienmitteilung ebenfalls von einer grossen Zufriedenheit im unmittelbaren Arbeitsumfeld und einem neuen Führungsklima. Als wesentliche Faktoren nennt es die personelle Verstärkung der Hauptabteilung Sicherheitspolizei, geklärte Verantwortlichkeiten und eine konsequentere Begrenzung des Aufwands. Diese Aussagen stammen aus der offiziellen Mitteilung vom 13. August 2026 und sind keine persönliche Aussage eines einzelnen Regierungs- oder Polizeivertreters.
Der iafob-Bericht formuliert auf Grundlage der Interviews zudem, die Führungsstrukturen würden grundsätzlich als «effektiv beurteilt». Die Autoren Oliver Strohm und Steven Tran veröffentlichten diese Bewertung im Juli 2026 als Teil des von der Kantonspolizei in Auftrag gegebenen Monitorings; sie bezieht sich auf die Aussagen von Führungskräften und Mitarbeitenden und nicht auf eine einzelne namentlich zitierte Person.
Nicht alle Punkte sind bereits geklärt. Bei den Ressortleitungen empfiehlt iafob, Anforderungen und Belastung weiter zu beobachten. Jüngere stellvertretende Ressort- und Gruppenleitende sollen bei ihrer Führungsentwicklung gezielt begleitet werden. Zudem sieht das Institut weiteren Bedarf, Aufgaben und Rollen zwischen Ressortleitungen, Stellvertretungen und Gruppenleitungen stärker zu harmonisieren.
Auch bei den beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten bestehen Unterschiede. Jüngere Sipo-Mitarbeitende bewerten laut Bericht die fachlichen Lernmöglichkeiten und das intensive «Learning on the Job» positiv. Wachtmeister sprechen dagegen häufiger eingeschränkte Laufbahn- und Entwicklungsperspektiven an. iafob nennt deshalb eine systematische Qualifizierung und neue Laufbahnperspektiven als Themen für die weitere Personalentwicklung.
Welche Punkte nach einem Jahr Sipo+ noch offen sind
Die Sipo+-Reorganisation ist mit dem positiven Monitoring nicht abgeschlossen. Der Bericht nennt mehrere Bereiche, in denen Anpassungen bereits laufen oder weitergeführt werden sollen. Dazu gehören neue Arbeitszeit- und Dienstmodelle, die Digitalisierung der Vorgangsbearbeitung über myABI, Verbesserungen bei Infrastruktur und Technik sowie die weitere Klärung von Prozessen und Schnittstellen zwischen den Hauptabteilungen.
Besonders in der Einsatzabteilung beschreiben Mitarbeitende noch ungelöste Fragen. Genannt werden der künftige Leistungsauftrag, eine stärker fokussierte Einsatzplanung, die Organisation der Sondereinheit, das Verhältnis zwischen neuem Auftrag und bisherigem Arbeitszeitmodell sowie die geplante räumliche Integration von Einheiten in der Horburg. Für das EBP wurde laut iafob inzwischen ein neues Dienst- und Arbeitszeitmodell pilotiert.
Drei Themen fasst der Bericht für die nächste Phase besonders zusammen:
- Stabilisierung und weitere Verankerung der neuen Strukturen;
- Massnahmen zur Personalbindung und fachlichen Entwicklung;
- zusätzliche Klärung von Zuständigkeiten und mehr Transparenz.
Hinzu kommen Projekte, die über Sipo+ hinausreichen. iafob nennt Vorbereitungen für die Integration der Kriminalpolizei in die Kantonspolizei im Rahmen von ReoS sowie weitere Verbesserungen bei Infrastruktur, Technik und Personalversorgung. Das Justiz- und Sicherheitsdepartement führt in seinen Jahreszielen für 2026 ausserdem die weitere Entlastung der Frontkräfte, die Vertiefung gemeinsamer Werte innerhalb der Kantonspolizei und eine intensivere Rekrutierung von Frauen auf.
Damit liegt im August 2026 erstmals eine externe Zwischenbilanz zu den im Vorjahr eingeführten Sipo+-Strukturen vor. Dokumentiert sind mehr Ressourcen in der Grundversorgung, weniger zusätzliche Aufgebote, mehr Patrouillen, neue Führungsstrukturen und ein leicht gestiegener Personalbestand. Gleichzeitig nennt der Bericht konkrete offene Arbeiten bei Dienstmodellen, Infrastruktur, Laufbahnentwicklung, Personalbindung und der Abstimmung zwischen einzelnen Bereichen.
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